Studiblogger

Ratgeber rund ums Studium

BAföG

BAföG oder Studienkredit? So findest du die günstigste Finanzierung für dein Studium

Ein Studienkredit kann helfen, ist aber selten die erste Wahl. Hier erfährst du, in welcher Reihenfolge du deine Geldquellen prüfst und worauf du achtest, wenn du dir doch Geld leihen musst.

Miete, Semesterbeitrag, Laptop, Lebensmittel: Ein Studium kostet Monat für Monat Geld, und nicht jeder kann sich auf ein dickes Polster der Eltern verlassen. Wenn das Konto knapp wird, wirkt ein Studienkredit wie eine schnelle Lösung. Er ist allerdings fast immer die teuerste Variante, dein Studium zu bezahlen, denn du gibst später mehr zurück, als du bekommen hast. Bevor du also einen Kreditvertrag unterschreibst, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf alle anderen Möglichkeiten. In diesem Beitrag bekommst du eine klare Reihenfolge an die Hand und erfährst, worauf es ankommt, falls ein Kredit am Ende doch nötig ist.

Schritt 1: Deinen BAföG-Anspruch wirklich klären

Viele Studierende stellen gar keinen BAföG-Antrag, weil sie glauben, ihre Eltern verdienten zu viel. Das ist ein teurer Irrtum. Ob und wie viel du bekommst, hängt von mehreren Faktoren ab: dem Einkommen deiner Eltern, der Zahl deiner Geschwister in Ausbildung, deinem eigenen Vermögen und deiner Wohnsituation. Selbst ein kleiner monatlicher Betrag summiert sich über mehrere Semester.

  • Stell den Antrag trotzdem: Nur so erfährst du verbindlich, was dir zusteht. Die Berechnung übernimmt das BAföG-Amt.
  • Achte auf den Zeitpunkt: BAföG gibt es in der Regel erst ab dem Monat der Antragstellung. Wer zu spät dran ist, verschenkt Geld.
  • Denk an Sonderfälle: Elternunabhängiges BAföG ist zum Beispiel nach einer längeren Berufstätigkeit möglich. Lass dich dazu beraten.

Ein großer Vorteil: Beim Studierenden-BAföG musst du nur einen Teil zurückzahlen, und zwar zinsfrei. So günstige Konditionen bietet dir keine Bank.

Schritt 2: Stipendien und Familie einbeziehen

Stipendien sind nicht nur etwas für Einser-Abiturienten. Begabtenförderwerke, Stiftungen, Unternehmen und Hochschulen achten häufig auch auf ehrenamtliches Engagement, besondere Lebensumstände oder ein bestimmtes Studienfach. Manche Programme sind klein und regional, haben dafür aber wenige Bewerbungen. Schau in Stipendiendatenbanken und frag bei deiner Hochschule nach, welche Förderungen es vor Ort gibt.

Auch die Familie kann eine Rolle spielen, über die Eltern hinaus. Vielleicht unterstützen Großeltern dich mit einem festen Betrag oder leihen dir Geld ohne Zinsen. Sprich offen darüber und haltet bei größeren Summen schriftlich fest, wie und wann du zurückzahlst. Das beugt Streit vor.

Schritt 3: Ein Nebenjob, der mehr bringt als Geld

Ein Job neben dem Studium entlastet dein Budget direkt. Besonders clever ist eine Stelle mit Bezug zu deinem Fach: als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl, als Werkstudent in einem Unternehmen oder in einem Nachhilfeinstitut. So sammelst du Berufserfahrung, knüpfst Kontakte und hast später etwas Handfestes im Lebenslauf.

Behalte dabei zwei Dinge im Blick: Dein Studium sollte nicht leiden, und dein Verdienst kann Auswirkungen auf BAföG, Krankenversicherung und Kindergeld haben. Welche Grenzen gerade gelten, erfährst du beim BAföG-Amt oder in der Sozialberatung des Studierendenwerks.

Schritt 4: Wenn es doch ein Kredit sein muss

Manchmal reichen alle Quellen zusammen nicht aus, etwa in der Examensphase, bei einem teuren Auslandssemester oder wenn die BAföG-Förderung endet. Dann kann ein Studienkredit eine sinnvolle Brücke sein. Angeboten werden solche Finanzierungen von staatlichen Förderbanken, Sparkassen, privaten Banken und Bildungsfonds. Bildungsfonds funktionieren etwas anders: Du zahlst später einen Anteil deines Einkommens zurück statt fester Raten.

Erst die eigenen Bedürfnisse klären

Bevor du Angebote vergleichst, beantworte für dich ein paar Fragen:

  1. Wie viel Geld brauchst du monatlich, und wie lange?
  2. Planst du ein Semester oder Praktikum im Ausland?
  3. Könnte es sein, dass du die Hochschule oder das Fach wechselst?
  4. Wie sicher ist dein späterer Einstieg ins Berufsleben?

Nicht jeder Anbieter zahlt weiter, wenn du ins Ausland gehst oder umziehst. Solche Details entscheiden darüber, ob ein Kredit zu dir passt.

Diese Punkte solltest du vergleichen

KriteriumWorauf du achtest
ZinsenFest oder variabel? Ein variabler Zins kann während der Laufzeit steigen.
RückzahlungAb wann beginnt sie, und gibt es eine tilgungsfreie Karenzphase nach dem Abschluss?
RisikoschutzWas passiert bei Arbeitslosigkeit, Krankheit oder geringem Einkommen?
FlexibilitätKannst du Auszahlungen pausieren, anpassen oder vorzeitig kostenlos tilgen?
ZusatzkostenGibt es Bearbeitungsgebühren oder Pflichtversicherungen?

Vor der Unterschrift: eine zweite Meinung einholen

Ein Kreditvertrag begleitet dich oft viele Jahre über dein Studium hinaus. Nimm dir deshalb Zeit. Hol mehrere Angebote ein, lies das Kleingedruckte und lass dich nicht unter Druck setzen. Rechne außerdem durch, wie hoch deine Gesamtschulden am Ende sind und welche monatliche Rate realistisch zu einem Einstiegsgehalt in deinem Berufsfeld passt.

Bevor du unterschreibst, zeig die Unterlagen einer Person, der du vertraust. Besonders hilfreich ist die kostenlose Studienfinanzierungsberatung deines Studierendenwerks. Die Beraterinnen und Berater kennen die gängigen Angebote und erkennen schnell, ob ein Haken im Vertrag steckt.

Häufige Fragen

Muss ich einen Studienkredit neben BAföG ausschließen?

Nein. Du kannst beides kombinieren, wenn das BAföG nicht reicht. Prüf aber genau, ob du den zusätzlichen Betrag wirklich brauchst, denn jeder geliehene Euro kostet später Zinsen.

Lohnt sich ein BAföG-Antrag, wenn meine Eltern gut verdienen?

Oft schon. Geschwister in Ausbildung oder andere Umstände können den Anspruch erhöhen. Nur ein Antrag bringt Gewissheit.

Was ist der Unterschied zwischen Studienkredit und Bildungsfonds?

Beim Kredit zahlst du einen festen Betrag plus Zinsen zurück. Beim Bildungsfonds richtet sich die Rückzahlung nach deinem späteren Einkommen, was bei hohem Verdienst teurer werden kann.

Wo bekomme ich eine neutrale Beratung?

Die Sozial- und Finanzierungsberatung deines Studierendenwerks hilft dir kostenlos und unabhängig von Banken weiter.