Es ist schon etwas bitter, das große Gefälle im universitären Bereich. Während vor allem die Naturwissenschaften immer noch überraschend gute Studienbedingungen haben, werden die Geisteswissenschaften mehr und mehr von Studentenmassen überflutet, die Qualitätsverlust wie Treibgut mit sich bringen.

Und die Studenten haben dabei keineswegs Schuld, vielmehr sind es die hanebüchenen Versuche der Universitäten, so viele Studenten wie möglich in den Vorleseräumen zu stapeln, denn große Nummern sind nicht nur ungemein beeindruckend, sondern bringen auch Geld. Nicht, dass die Studenten davon etwas mitbekommen würden, veraltete Seminarräume, schlecht ausgestattete Bibliotheken, die ewige Jagd nach halbwegs tolerierbaren Toiletten und vor allem eine unhaltbare Dozenten/Studenten Ratio sorgt seit Einführung der BA/MA Studiengänge dafür, dass man unauffällig durch sein ganzes Grundstudium gesegelt kommt, ohne einmal etwas im Seminar gesagt zu haben.

Anonymität der Studenten, Massenabfertigung in Seminaren, man möchte ja den Dozenten die Schuld geben, aber bei mind. 40 Teilnehmern pro Seminar bleibt nicht viel, um anregende Diskussionen zu führen und auf jeden einzeln einzugehen. Stattdessen Gruppenvorträge, die keiner hören will, Reihen über Reihen an Pflichtschein-Studenten die den Mund nicht aufkriegen und bestenfalls nicht mal den Anstand haben, für 90 Minuten die Privatgespräche mit den Sitznachbarn sein zulassen.

Woran liegt es?

Die Gründe sind vielfältig, der NC einiger Fächer bringt viele Studenten dazu, sich wie wild in weniger schwer zugängliche Fächer einzuschreiben, um evt. später den Studiengang zu wechseln, auch Lehramt wird gerne studiert, weil man da anscheinend leichter rein kommt, als in das BA-Studium, zu dem dann einfach gewechselt wird. So wimmelt es vor allem in den ersten Semestern nur so vor Studenten, die eigentlich nicht da sein wollen und ihre Zeit absitzen, damit gleichzeitig die Studenten an idealen Studienbedingungen hindern, die aus Interesse studieren.

Auf der anderen Seite liegen die Universitäten, die – um landesweit mit ihren hohen Studentenzahlen anzugeben – die Zahlen der Einschreibungen immer höher schrauben. Zeitgleich werden jedoch kaum neue Dozenten, geschweige den Professoren eingestellt, so dass es für viele Abschlussarbeiten kaum Betreuer gibt, die Luft wird dünner, die Nerven liegen blank. Besonders amüsant wird es, wenn ein bereits bestehender Lehrkräfte-Defizit endlich mit eins, zwei Stellen aufgestockt wird, diese aber gleich 50-100 und mehr neue Studenten rechtfertigen sollen. Es werden also keine Löcher gestopft, sondern nur größere Löcher eingerissen.

Und ja, die 12./13. Klassen Anstürme, sowie die Abschaffung der Wehrpflicht liegt den Unis auch schwer im Nacken, oftmals vermitteln Universitäten nach außen den Eindruck, als könnte man einfach mal ein paar Semester studieren, um etwas Zeit zu überrunden, während man überlegt, was man denn wirklich machen möchte. Das ist jedoch nicht Grund eines Studiums, dessen Ziel schon der Abschluß sein sollte.

Qualitätsverlust entgegenwirken

Wie immer, wenn es um die Bildungspolitik geht, klingen die Antworten simpel, sind aber schwierig umzusetzen. Bessere Studienbedingungen, also auch bessere Räume und besseres Equipment, weniger Studenten pro Dozent, ein Mix aus NC und persönlicher Einstufungskriterien, so dass auch die Studenten ohne 1er Durchschnitt, aber mit Interesse und vor allem Köpfchen Chancen haben, geringere Zulassungszahlen und durch kleinere Seminargrößen die Möglichkeit für Studenten, unmittelbar in der Forschungsarbeit der Universitäten mitzuwirken, womit auch das Ansehen der Uni steigen würde.

Niemand sollte mit horrenden Einschreibezahlen angeben, denn die übermäßig hohe Anzahl an Studienabbrechern dürfte proportional liegen. Gleichzeitig sollte man sich auch als angehender Student genau überlegen, ob man wirklich studieren möchte, oder nur eine Auszeit zwischen Schule und dem „Erwachsenenleben“ sucht.

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