Mit dem Studium verbinden viele – besonders im Vergleich mit einem geregelten Schul- oder Arbeitstag -Freiheit, Ungebundenheit und Party ohne Ende. Das habe ich persönlich auch die meiste Zeit so erlebt. Aber gleichzeitig gibt es auch in der Uni viele ungeschriebene Regeln, Do’s und Don’ts. Aus jeder Vorlesung könnte man eigentlich eine kleine anthropologische Studie über Riten, Sitten und Tabus machen.

Das fängt schon im Vorlesungssaal an. Zum Schluss der Vorlesung wird vornehm geklopft. Wer klatscht, wird gleich als Erstsemester erkannt. Ganz anders ist es allerdings wieder bei einem öffentlichen Vortrag von einem prominenten Sprecher im Rahmen einer Ringvorlesung zum Beispiel – hier ist wieder Klatschen angesagt.
Eine wichtige Regel ist (und daran habe ich mich jahrelang nicht gewöhnen wollen) : Die Fremdwortdichte in einem Redebeitrag entscheidet über die Intelligenz des Sprechers. Warum „bemerken“ sagen, wenn man auch „konstatieren“ verwenden kann? Warum „das ist mir egal“ sagen, wenn es auch mit „das tangiert mich peripher“ geht? Wer mit Fachausdrücken jonglieren und am besten noch verwirren kann, gilt zwar nicht zwangsläufig als sympathisch, aber erscheint dafür kompetent. Im Seminar gilt: Je abgehobener desto besser.

Dann hat natürlich jedes Fach seine speziellen Regeln: Alle Germanisten sind wahnsinnig interessiert an 300 Jahre alter Literatur, die Anglisten lieben British English und verachten American English. Als Medizinstudent erscheint man im Anzug zur Prüfung und als Soziologe ist man unbedingt links und fährt selbstverständlich zum G8-Gipfel. Die Liste könnte man endlos fortsetzen. Wichtig ist, dass man zwar nicht alles so macht wie die anderen, aber zumindest weiß was für ungeschriebene Gesetze existieren. Denn nur wen ich den Feind kenne, kann ich ihn besiegen 😉

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