Saarbrücken – An der Universität des Saarlandes kann man künftig Popkultur studieren. Ab dem Wintersememester 2017/2018 werde ein Zertifikatsstudiengang
«Angewandte Pop-Studien» angeboten, teilten die Hochschule und der Verein «Poprat Saarland» in Saarbrücken mit.

Neben wissenschaftlichen Grundlagen in Kunst, Musik, Sprache, Literatur und Geschichte sollten auch praktische Erfahrungen vermittelt werden, sagte Musikwissenschaftler Rainer Kleinertz. Zudem gebe es einen Teil «Musikmanagement», in dem das Handwerkszeug der Pop- und Festivalszene vermittelt werde.

Das Zertifikat sei bundesweit einmalig, sagte Kleinertz. Neben der Musikwissenschaft sind an der Hochschule die Amerikanistik und die Kunstgeschichte zunächst mit im Boot. Die Angebote könnten aber noch um weitere Fächer erweitert werden. «Wir sind offen.» Kleinertz ging davon aus, das es zum Start Interesse bei rund 100 Studenten gebe.

«Das Zertifikat macht Sinn, weil es bisher kaum Studieninhalte zu diesem doch wichtigen Bereich gibt», sagte Kleinertz. Im Studium spiele das Phänomen Popkultur bislang nur eine «punktuelle Rolle». Nun sollten Inhalte gebündelt werden.

Mit dem Zertifikat könnten Bachelor-Studenten das Handwerkszeug erhalten, um später in der Pop- und Festivalszene tätig zu werden. «Sie sollen nicht Mini-Juristen werden, aber die rechtlichen Vorschriften für Veranstaltungen kennen», sagte der Professor für Musikwissenschaft. Dazu gehörten auch Kenntnisse aus dem Bereich Steuern und Finanzen.

Das neue Angebot an der Saar-Uni ist Teil verschiedener Offensiven des Saarlandes, ein Zentrum für Popkultur zu werden: Im Oktober geht das neue zehntägige Kulturfestival
«Colors of Pop» mit mehr als 100 Veranstaltungen an den Start, das die Landesregierung mit 350 000 Euro fördert. Kulturminister Ulrich Commerçon (SPD) setzt damit auf neue kulturelle Impulse – und will auch über die Landesgrenze hinweg zeigen, dass es an der Saar «eine lebendige Popkulturszene» gibt.

Zudem hat vor knapp zwei Jahren der «
Poprat Saarland», ein Zusammenschluss von Akteuren der saarländischen Pop- und Kulturszene, ein Konzept zur Förderung und Vernetzung der Popkultur vorgelegt. Er will das kleinste deutsche Flächenland zum «Popland» machen.

Fotocredits: Jens Kalaene
(dpa)

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