Das Erasmus-Programm wurde 1987 von der Europäischen Union gegründet. Es zielte darauf ab, die Zusammenarbeit Europäischer Universitäten sowie diejenigen anderer EU-Beitrittsstaaten zu fördern. Die Mobilität und der Austausch von Studenten und Dozenten soll durch das Programm verbessert werden.
Ein wesentlicher Bestandteil ist die Anerkennung von im Ausland erworbenen Studienleistungen nach dem European Credit Transfer Systems (ECTS) und finanzielle Unterstützungen für Austauschstudenten. ERASMUS ist die Abkürzung für “European Region Action Scheme for the Mobility of University Students”, bezieht sich aber auch auf ihren Namensgeber, Erasmus Desiderius von Rotterdam, der von 1465 bis 1536 lebte. Damals waren die Beschäftigungsfelder noch nicht so klar abgegrenzt wie heute und daher war Erasmus Rotterdam tatsächlich Humanist, Pädagoge, Theologe, Philosoph und Philologe.
In Rotterdam geboren wurde er 1492 Priester, widmete sich dann jedoch dem Studium in Paris und reiste jahrelang zwischen den Niederlanden, England und Italien hin- und her, bis er 1515 am Hofe von Burgund in Löwen als Erzieher des späteren Kaiser Karl V arbeitete. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Basel.
Der Augustinermönch gilt wegen seiner kirchenkritischen Haltung als Vorreiter der Reformation, gleichzeitig ist er durch seine Arbeit über Sprache und Grammatik ausschlaggebend für die Philologie wie sie heute betrieben wird. Die heutige Betonung des Altgriechischen geht auf ihn zurück. Warum sein Name jedoch für das zeitgenössische Studentenaustauschprogramm verwendet wird, hängt damit zusammen, dass er als der erste „Europäer“ bezeichnet wird. Er lehnte Zeit seines Lebens kirchliche Ämter ab und lebte weltlich, sprach sich für Frieden, Neutralität und Toleranz aus und warnte vor den Gefahren eines religiösen Krieges.
Wer sein Studium beendet hat und nicht von seinen Eltern finanziell unterstützt wurde, steht am Ende nicht nur mit einem Abschlusszertifikat in der Hand da, sondern oft auch vor einem Schuldenberg von mehreren tausend Euro. Die Kosten des Studiums liegen in Westdeutschland im Durchschnitt bei 54100 Euro, im Osten bei 43600 Euro. Das bedrückt doch ein wenig und manchmal könnte mensch in die Versuchung kommen zu fragen, ob sich so ein teures Studium überhaupt lohnt!
»Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen« – das soll Benjamin Franklin gesagt haben – trifft das zu oder ist es nur ideologisches Gerede?

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geht dieser Frage von der rationalen, ökonomischen Perspektive an und hat die sogenannte „Bildungsrendite“ errechnet. Wie das funktioniert? Es werden Beschäftigungschancen, Studienkosten, entgangener Verdienst und erwartbare Alterspensionen ausgerechnet und in den Vergleich mit dem Bildungsstand der Arbeitnehmer gestellt.
Herausgekommen ist, dass ein Studium in den Industrieländern im Durchschnitt eine jährliche Rendite von 8,5 % bringt. Jedes zusätzliche Jahr Bücher wälzen geht mit diesem durchschnittlichen Mehr an Einkommen später einher. Nicht schlecht, oder? Allerdings lohnt sich ein Studienkredit dann auch nur, wenn die Zinsen unter dieser Prozentzahl liegen – das ist klar.
In Irland kann mensch mit dem ruhigsten Gewissen in ein Studium investieren, Männer gelangen an eine Bildungsredite von 12, Frauen sogar von fast 15 %. In Österreich hingegen sollten Studienanfängerinnen es sich gut überlegen, ob sie mehr auf Ruhm und Ehre oder doch lieber auf Geld Wert legen – hier beträgt die Bildungsredite nur 5 %, bei ihren männlichen Pendants hingegen immerhin 7 %.
Eine Bilanz: Wie erfolgreich verläuft die Umstellung auf Bachelor-/Masterstudiengänge?
Im Jahr 1999 haben die Bildungsminister von Frankreich, Italien, Großbritannien und Deutschland in der Sorbonne-Deklaration den Grundstein für die Umstellung des Bildungssystems gelegt. Bis zum Jahre 2010 sollte ein ein gemeinsamer europäischer Hochschulraum geschaffen werden, indem das zweistufige Studiensystem (Bachelor/ Master) zur internationalen Vergleichbarkeit eingeführt werden sollte. Heute beteiligen sich bereits 50 Staaten an der internationalen Bildungsreform. In Deutschland waren im Sommersemester 2007 bereits 49% aller Studiengänge Bachelor- bzw. Masterstudiengänge. Kürzere Studienzeiten sollten unter anderem dazu beitragen, Studienabbrüche zu vermindern und das Studium durch größere Übersichtlichkeit und Kompatibilität zu erleichtern. Doch: Geht diese Rechnung auf?
Eine Studie des HIS (Hochschul-Informations-System) berichtete im Februar über gestiegene Abbrecherquoten. Der Studie zu Folge läge die Quote bei Fachhochschulen mit Bachelorstudiengängen bei 39%. Vor der Bildungsreform seien es nur 22% gewesen. Auch an den Universitäten sei die Quote der Abbrecher seit Beginn der Umstellung von 20 auf 25% gestiegen. Grund dafür sei paradoxerweise gerade die verkürzte Studienzeit. Bei oft gleich bleibender Stoffmenge sind Studierende nun gezwungen, einen strafferen Zeitplan einzuhalten. Zwei Drittel der Hochschulabsolventen müssen jedoch neben dem Studium jobben und geraten in immer größeren Stress. So gebe es auch eine deutliche Erhöhung des Rauschmittelkonsums unter Studenten. Nach dem Zentralinstitut für seelische Gesundheit (ZI) habe jeder dritte Student ein Alkoholproblem. Die Techniker Krankenkasse verzeichnet einen deutlich gestiegenen Verbrauch von verschreibungspflichtigen Psychopharmaka. Bei vielen Studenten komme es zum „Burn Out Syndrom“, 16 der Befragten litten unter Depressionen.
Weniger dramatisch, aber anekdotisch ist, dass viele Apotheken im Umkreis der Universität Münster über einen erhöhten Absatz von Aufputschmitteln wie Koffeintabletten in den Prüfungsphasen berichten.
Ob alle diese Symptome dem neuen Hochschulsystem zuzuordnen wären, bleibt dennoch abzuwägen. Die Einführung von Studiengebühren wirkt sich nämlich ebenfalls negativ auf Studierende aus, ebenso wie immer strenger werdende Auflagen vom Bafög-Amt.
Burger braten und Hochschulabschluss – wie hängt das zusammen?? In England gibt es nun seit kurzem die Möglichkeit als MitarbeiterIn bei McDonalds eine Art Abitur zu erwerben. Die von McDonalds angebotenen Managamentkurse berechtigen die AbsolventInnen im Nachhinein zu einem Studium an der Universität. An 1200 britischen Fastfood-Filialen können die TeilnehmerInnen die betriebliche Führung eines Hamburger-Restaurants erlernen. Dabei werden ihnen Seminare zu Personalmanagement, Marketing und Kundenbetreuung etc. angeboten. Dieser Schritt wird vom britischen Bildungsminister als ein wichtig angesehen, um die klaffende Lücke zwischen betrieblichen Ausbildungen und staatlichen Qualifizierungen ein wenig zu verengen. Noch immer wird in England mit der schlechten Qualifizierung vieler SchulabgängerInnen gekämpft. Nach einigen, nicht sehr erfolgreichen, Versuchen in der Vergangenheit werden nun Privatunternehmen herangezogen, um einen Weg aus der Bildungskrise in England zu schaffen. So werden auch die Billig-Fluglinie flybe und die Bahngesellschaft Network Rail an diesem Pilotprojekt beteiligt.
Dieses Konzept stößt natürlich noch lange nicht überall auf Zustimmung. Von seiten der Universitäten wird bezweifelt, dass sich Bildungseinrichtungen um das „McAbitur“ reißen werden. Außerdem wird kritisiert, dass die Ausbildung zu einseitig sei und nur spezifisch auf das Unternehmen zugeschnitten. Es muss sich erst noch herausstellen, ob die zukünftigen Schnellimbiss-Filialleiter eine große Fangemeinde nach ihrem Abschluss erwartet.